ACHTUNG GLAS!

Achtung Glas!

Liebe Freunde des gut gefüllten Glases,

hier nun ein paar Worte zum Thema Glas und Wein. Sicherlich, nicht das erste Mal haben Sie über Glas, Gläser oder Weingläser gelesen, aber seien Sie sicher: solange es noch „Weingenießer“ gibt, die gute Gläser für ihre gut gepflegten Schätze ignorieren, solange werden Sie von solchen Artikeln belästigt. Um dies zu verhindern, gibt es Artikel wie den folgenden. Sie könnten aber auch aktiv mithelfen und sich nach dem Lesen dieses oder anderer Artikel zum gleichen Thema mit Ihren Weingläsern beschäftigten.

Es gibt nichts zu beschönigen: Ein Wein, der immer der Lohn harter Arbeit ist, sollte immer – immer – aus einem Glas getrunken werden, das dem Namen Weinglas gerecht wird. Alles andere wäre Missachtung der harten Arbeit und dazu noch Selbstkasteiung ohne jeden Mehrwert.

194655_BISTROT_VERRE_A_VINEin Freund – gewiss ein Kenner guter Weine – mit Faible für gutes Essen und Stil hat aus Traditionsverbundenheit und, wie ich erfahren habe, eindeutig falsch verstandenem Sinn für Minimalismus in der Raumausstattung so kleine und stabile Weingläser, die man vielleicht noch aus französischen Bistros kennt. Er nutzt sie immer und für jeden Wein. Für mich erschreckend nutzt er diese leider auch im vollen Bewusstsein und Wissen über diese Aromaverschwendung. Er weiß das und ignoriert es, so kann man es auch machen. Aber warum sollte man sich das Leben so schwer machen?

Wenn also Traditionsverbundenheit, Erinnerungen an vergangen Zeiten oder minimalistische Designvorstellungen in großen Wohnungen nicht im Wege stehen, sollte man sich mit diesem Thema etwas tiefergehend beschäftigen oder man trinkt Chateau Latour auch mit Coca-Cola.

Wenn man sich also überlegt, ob die vorhandenen Gläser den guten Tropfen unterstützen oder man überhaupt erstmalig Weingläser benötigt, dann sollte man ein paar Dingen beachten. Das Design ist erstmal vollkommen unwichtig! Ich betone: unwichtig! Gute Weingläser sind klar, haben einen Stiel und sind dünnwandig und somit relativ leicht. Mundgeblasene Gläser sind meist leichter und oft teurer. Gläser aus diesem nordeuropäischen Einrichtungsselbstbedienungshaus sind leider nicht zu empfehlen, denn sie sind aus zu weichem Glas und somit sehr empfänglich für Glasbruch, und dies kann zu zwar interessanten doch nicht gerade schmerzfreien Erlebnissen führen.

Ein gutes Glas sollte es sein. Am besten im klassischen Design oder einem solchen Formfaktor, der den Weingenuss unterstützt. Somit fallen schon einmal alle modischen Varianten mit Schliff (heute nicht mehr ganz modisch), geschwungenen Stielen, dicke Pressgläser und bunte Varianten weg: gut so! Weg damit! Alle diese Verirrungen mit dem Altglas entsorgen, es ist nicht schade.

Es bleiben schöne schlichte Gläser zur Auswahl. Und nun wird es trickreich: Weißweinglas? Ja, klar! Rotweinglas? Aber ganz sicher! Bordeauxglas? Ganz bestimmt! Oder? Burgunderglas? Tempranillo? Barolo? Chianti? Was ist mit Champagner? Darauf eine klare Antwort: Ja, wenn Sie Platz haben und Geld. Wenn nicht, dann lassen Sie sich beraten und es wird folgende Antwort kommen: zwei verschiedene Weißweingläser, zwei verschiedene Rotweingläser und eine Champagnertulpe. Wenn hier eine Sektschale angeraten wird, werden Sie gerade nicht beraten.

Warum zwei verschiedene Weißweingläser fragen Sie sich. Ganz einfach und frech geantwortet: Sie kennen den Geschmacksunterschied zwischen einem Riesling und einem Chardonnay? Diese Rückfrage ist die Antwort.

riedel_vinum1Bei zwei verschiedenen Rotweingläsern wird es nun etwas komplexer, aber auch hier gibt es eine gute Antwort. Ein Bordeauxglas – nicht zu groß – für fast alle Rotweine und ein Burgunderglas für Spätburgunder oder ein spezielles Glas (groß) für Syrah und Konsortien, also für alles, was irgendwie mit der Côte du Rhône zu tun hat. Für Sekt und Champagner oder Cava und Prosecco habe ich die Frage schon beantwortet.

Und warum das ganze Brimborium? Ist doch der gleiche Inhalt drin – Wein? Ja, korrekt, aber jeder Wein ist doch etwas anders im Geschmack und das Ziel liegt darin, die Eigenarten der Weine hervorzuheben. Falls Sie schon eine Auswahl an verschieden geformten Gläsern haben, dann machen Sie doch mal den Test. Es wird Sie überraschen, ganz sicher. Und ganz schnell werden Sie das richtige Glas für Ihren Lieblingswein finden. Nur welche Hersteller? Da schauen Sie sich am besten einfach um – ich kann Riedel und Spiegelau empfehlen, aber es gibt so viele andere.

Und jetzt kommen wir zur Krux des Ganzen. Vergessen Sie alles, was sie oben gelesen haben. Denn es gibt auch das Universalglas! Ein Glas für alles. Die perfekte Lösung denkt man, dachte ich.

Und meine Antwort darauf: Ja und Nein.

Ja, denn ein Universalglas hilft beim Testen und Probieren, denn der gleiche Wein schmeckt in verschiedenen Gläsern vollkommen anders, und wenn Sie Weine aus den gleichen Rebsorten und / oder der gleichen Region vergleichen wollen, dann müssen Sie einen Standard haben, sonst vergleichen Sie nicht mal Äpfel mit Birnen, sondern Obst mit Würsten.

Nein, denn die meisten Universalgläser sind Schrott oder sie sind riskant. Zu Schrott muss ich nicht mehr sagen. Aber riskant? Interessant! Wie das? Das liegt daran, dass es wohl nur zwei wahre Universalgläser gibt: das eine von Zalto, das andere von Marienglas. Unterschiede sind minimal, aber beide sehr gefährlich.

17001_zalto-universalglas_osWie können Gläser gefährlich sein? Die Antwort ist einfach und doch komplex. Vielleicht erst einmal den komplexen Teil: die verschiedenen Formen bei Weingläsern sind nicht dazu da, die Tischdekoration aufzuhübschen oder Verwirrung zu stiften, sondern nur einem einzigen Grund zu verdanken. Weine aus verschiedenen Gegenden und Rebsorten – um es kurz zu halten – haben unterschiedliche Aromen und reagieren mit Sauerstoff auch anders. Die tausende verschiedenen Aromen sind mal leichter, mal schwerer aus dem Wein zu locken, denn die Nase trinkt ja bekanntlich mit und daher müssen diese Aromen zur Nase hingeführt werden. Kein Mensch hat aber Lust, Weinaromen mittels Gaschromatografen und Schläuchen in der Nase zu genießen.

Daher gibt es verschiedene Glasformen, die diese Aromen einfangen und so konzentrieren, dass die Aromen optimal zur Nase gelangen und der Wein in den Mund. Nun, je besser das Glas gemacht ist, umso besser wird dieses Ziel erreicht.

Und das ist nun auch die einfache Antwort: diese beiden Standardgläser (und auch ihre speziellen Abwandlungen) machen das so hervorragend, dass sie alles Positive, die Stärken und die gesamte Aromafülle erschreckend gut zur Nase und zum Mund führen. Leider aber auch jede Schwäche, jeden Fehler. So kann es passieren, dass der Wein, der einem in schon guten Gläsern sehr gut gefallen hat, nun etwas offenbart, was man vorher gar nicht so wahrgenommen hat: Weinfehler! Und das kann einem ganz schnell die Freude nehmen.

Diese Gläser sind also vorsichtig zu nutzen und meine Empfehlung daher: nur etwas für Profis und Interessierte oder für Menschen, die sich für Wein kaum interessieren. Oder für Menschen, die so gut situiert und empfindlich sind, dass sie den Inhalt einer Flasche weggießen können, auch wenn die Flasche 1.000 Euro kostet.

Zusammengefasst: Gute Gläser müssen her, Zalto-Gläser gehören dazu, aber nicht auf den Tisch, wenn man Gäste bewirtet – hier sind die Gefahren zu groß.

 

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