100PP, 99PP,…,94+PP,… Robert Parker Punkte und die Weinkritiker

Die Punkte-Saison beginnt wieder und nicht nur die Jagdsaison im Wald, sondern auch die im Keller beginnt wieder. Der Herbst ist die Saison der Punktjäger.

Aber was sagt einem das? Hilft es? Ja und nein, denn Weinkritiker haben einen enormen weltweiten Einfluss auf den Weinmarkt. Das beste und auch das berüchtigste Beispiel ist wohl Robert Parker.

robert-parkerRobert Parker ist ein amerikanischer Weinkritiker, dem die vielleicht zweifelhafte Ehre gebürt, dass seine Bewertungen über Wohl und Wehe ganzer Weinregionen zu bestimmen – seine Punktbewertung machen den Preis.

Der geneigte Leser kann sich darüber ein Bild bei Wikipedia machen. Sein Einfluss hat viele Winzer dazu gebracht, an der Qualität ihrer Weine zu arbeiten. Leider aber wird dann oft übertrieben, denn die Bewertung ist und kann nicht neutral sein: er hat Vorlieben und sicherlich auch Vorurteile. Ein zentraler Punkt ist: er mag kräftige und fruchtbetonte Weine mit Holzaromen. Sie haben sicherlich schon oft gelesen: Barriqueausbau! Aber zum einen verträgt nicht jeder Wein die Lagerung in diesem kleinen Holzfass, zum anderen wird so auch der typische regionale Geschmack verändert und das alles nur weil Robert Parker es „verlangt“.

Aber Robert Parker ist nicht alles! Zu allererst gilt es, den eigenen Geschmackssinn zu trainieren und dann probieren und kosten. Dann kann man sich den Kritikern zuwenden und sie vielleicht als Hilfe nutzen.

Natürlich freut es mich, wenn Robert Parker einen der Weine, die ich vertreibe, mit 94PP bedenkt. Aber ich weiss in diesem Fall, dass dieser Wein nicht gemacht wurde, um ihm zu gefallen. Denn dafür ist er zu „kühl“ und das mag Robert Parker wohl nicht so gern – also „nur“ 94PP.

Auch muss man wissen, dass er natürlich nicht alle Weine dieser Welt bewertet und – das ist bei allem Punktejagen sehr wichtig zu beachten – dass viele Winzer ihre Weine aus gutem Grund nicht bewerten lassen wollen. nicht weil sie schlecht sind, sondern weil Robert Parker sie nicht mag, sie passen nicht in seine Vorstellung, wie ein Wein aus dieser oder jener Region zu schmecken hat. Also Augen auf! Das beste Beispiel für mich ist die Domaine L’Oratoire St.Martin.

Ach ja, von Jancis Robinson halte ich mehr, aber auch sie zu schnell dabei, einen ganzen Jahrgang schlecht zu schreiben.

Wir werden es in den nächsten Tage erleben, wenn die „Bewertungen“ zum Jahrgang 2013 veröffentlicht werden. „Irregulär“ habe ich schon gelesen, aber ist das nun schlecht? oder doch eher etwas spannend? Sicherlich wird der Wein anders schmecken, wenn in der Cuvée der Grenacheanteil sehr niedrig ist, weil eben die Ernte beim Grenache in diesem Jahr sehr niedrig war. Das kann einem natürlich nicht in einem Anbaugebiet passieren, wo es keine Cuvées gibt. Das gibt es dann in diesem Sinne keine „irregulären“ Jahrgänge.

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